Die Tippelbrüder aus Osterburg

Liebe Brüder und Schwestern....
Vor vielen, vielen Zeitmaßen erschuf unser Vater die Musik. Wenig später scharrte dann Bernado Gleichgesinnte zusammen, um zunächst zum Ergötzen einer Hochzeitsgesellschaft lustige Lieder und Weisen zum Besten zu geben. Der Lohn war auch damals schon karg. Doch reichlich Speisen und noch mehr Trank halfen darüber hinweg. So kamen die Tippelbrüder in die Welt. Einige zogen weiter, andere blieben. Vor etwas mehr als 10 Jahren dann fanden sich aufstrebende Brüder zusammen, die nach der ersten Probe wussten: Hier haben wir unseren Hort gefunden. Sie spürten, dass ihr Herz im gleichen Rhythmus schlug. Doch der Preis war hoch den sie zahlten. Fortan war Leid ihr Begleiter und Schweiß ihr Gewand. Zahllos waren die Marter: Veranstalter, die den dürftigen Lohn nicht zahlten, verlorene Seelen die den Konzerten fern blieben. Doch dass alles konnte sie nicht von ihrem Weg abbringen. Die Zahl der Jünger wuchs stetig! Bei Reisen an den Bodensee und Fahrten auf die Insel Fehmarn wurden die Seelen bekehrt. Selbst auf Schiffen konnten sich die ahnungslosen Menschen ihrer Musik nicht entziehen. Sie entledigten sich ihres - dank vieler kleiner Sünden erworbenen - Geldes durch den Erwerb eines Tonträgers. Für mittelschwere Sünden war eine weitere Ablass-CD parat. All das half auch über die harte Zeit bis zum nächsten Auftritt hinweg. Großen Sünden waren die Tippelbrüder leider nicht gewachsen.
Inzwischen sind wir des Pilgerns müde geworden. Gern würden wir unsere Häuser fertig bauen, unsere Kinder heranwachsen sehen, in Ruhe die Angel ins Wasser werfen, mit Pfeil und Bogen durch die Wälder streifen, mit dem Rad, mit dem Boot oder auch leichten Fußes die Landschaft genießen. Wir glauben, daß es das Leben gut mit uns meint und noch viele Überraschungen für uns bereit hält.
Unser Dank gilt allen Brüdern und Schwestern, die uns in all den Jahren die Treue gehalten haben, denen kein Weg zu weit war unseren Worten und unserer Musik zu lauschen und sich von ihren Sünden befreien ließen. Speziell gilt unser Dank denen, die uns bei unseren Auftritten zu wahren Höhenflügen hinrissen. Sei es durch die Gabe von Speisen und heilsamen Getränken, oder durch schmachtende Blicke heißblütiger Gläubigerinnen.
Ihr werden euch fragen: Warum erzählen wir euch das? Nun, hier wird die Reise unterbrochen. Wir bedürfen der Ruhe, der Einkehr, der Muße.
Liebe Brüder und Schwestern, liebe Anhänger der Tippelbrüder,
hebt euer Glas und lasst uns dankbar sein!